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«Er
war ein grosser Deutscher», Axel Springer, der
Berliner Medien-Tycoon. So wurde er von Helmut Kohl
gewürdigt, als er vor elf Jahren starb. Ohne
Abitur schuf er das grösste Zeitungshaus
Europas. Als Freund der Vereinigten Staaten von
Amerika und Kämpfer für die «Einheit
Deutschlands in Freiheit» gegen Linke und
Kommunisten war er diesen ein Dorn im Auge. Er
wurde terrorisiert, seine Häuser wurden
angezündet, im Verlag Bomben
gelegt. Dieser
Tage feiert jenes publizistische Imperium
Deutschlands den Fünfzigsten, dessen
Blätter sich selbst als Zeitzeugen des
Geschehens bezeichnen. Die Welt, Bild, Bild der
Frau und Bild am Sonntag, Hörzu oder Berliner
Morgenpost sind Titel aus dem Programm. Der Verlag
ist ausserdem beteiligt an SAT.1 und DSF, und mit
CompuTel ist er deutscher Marktführer bei den
interaktiven Medien. 50
Jahre nicht nur deutscher, sondern Weltgeschichte
waren in ein buntes 5-Franken-Heft zu packen, dabei
Kultur, Wissenschaft, Politik und Lebensstil
angemessen abzuwägen. In über 1000
grossformatigen Bildern erzählt der Axel
Springer Verlag, dass, worüber und wie er 50
Jahre Zeitzeuge war. So
tragen jene vier Doppelseiten zur Sowjetunion denn
auch den Titel «Das Reich des Bösen
zerbricht». Und Mythen sind Coca-Cola, Mickey
Mouse, Elvis und James Dean, Jeans und die
Freiheitsstatue. Meilensteine, das sind
Retortenbabys, Wasserstoffbomben, Ölpest,
Weltraumspaziergänge und Mikrochips.
Glücksmomente die Heriat von Lady Di und
Prince Charles, die Heimkehr der letzten
Kriegsgefangenen, Deutschland als
Fussballweltmeister 1974 (unter dem
«Kaiser»), die Nacht der Deutschen (9.
November 89), überlebte Flugzeugabstürze
und Simon, «das erste Kind der neuen deutschen
Freiheit». Kriege,
Frauen, Attentate, Sport noch zuerst, dann
Tragödien, Umwelt, Kunst und Mode, versetzt
mit Quelle-Werbung, werden abgehandelt als
artig-bunte Häppchen von fünf bis zehn
Seiten - viel Bild, wenig Text. Die «Chronik
ohne Vorbild» der Jahre 1946 bis 1996 nimmt
gerade mal zwei Doppelseiten in Anspruch, eine
Doppelseite versammelt jene rund 400 grossen Namen,
die in das Gedächtnis der Menschheit
eingingen. Musik
ist Rubinstein, der seinen Flügel küsst,
und Michael Jackson, der den Rhythmus nur zwischen
den Beinen spürt, ist «Die drei
Tenöre» an der Fussball-WM, Nina Hagen
und «Lili Marleen» (halt: war das nicht
1941?), Heintje, die (mittlerweile
freigesprochenen) Kellys und Starlight
Express. Für
die Medizin muss einmal mehr Michelangelos David
als Titelphoto herhalten: Herztransplantation und
Retortenbaby Louise Brown, Aids und BSE sind dann
die Themen. Die «Erfolge der Gen-Technik»
werden gar auf zwei Textseiten ausführlich
gewürdigt. Fünf Zeilen müssen der
Feststellung genügen, dass «die
Gen-Technologie auch neue Ängste geweckt»
hat. Auch
das Kapitel Zukunft dominiert technokratischer
Optimismus: Computer,
Höchstgeschwindigkeitszüge, Flugzeug und
Raumfahrt. Das Auto - von Renault 4 CV und BMW
Isetta bis zum Swatch-Mobil (Concept Mercedes) ist
optisches Leitmotiv, unterstrichen durch ein
sechsseitiges Inserat eines Autoherstellers, der
(wie Springer) Träger des deutschen
Wirtschaftswunders war. Pressegeschichte ist eben
auch Werbegeschichte: denn «erfolgreiche
Kampagnen in den Publikationen des Verlages sind
ein Wegbegleiter des Erfolgs». Den
Abschluss des Hefts machen eine
Kürzestbiographie Axel Springers und drei
Kapitel zum Selbstbewusstsein der Deutschen, deren
Untertitel für sich sprechen:
«Geschlagen, geteilt, vereint», «Der
Mann verlor den Stichentscheid» und
«Weltmeister im Export». Zugabe
sind jene Photos im Stil des gähnenden
Beichtvaters, schauderhaft als «Bon
Shots» bezeichnet, die nur zum Teil witzig
sind. 46-96: 50 Jahre Geschichten, 50 Jahre Bilder,
die die Welt bewegten. Und, wie eine Anzeige
rhetorisch fragt: «Bilder, die auch das Geld
bewegten?» 46-96:
Das waren Zeiten. 50 Jahre Springer - 50 Jahre
Zeitzeuge. Axel Springer Verlag AG. Erhältlich
am Kiosk für Fr. 5.- Printversion |