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Salzburger Stier an Martin Puntigam
14. 7. 1996

 

Freitag nacht erhielt Martin Puntigam von Josef Hader im Kleintheater den «Salzburger Stier» überreicht, jenes Tier mit den zwei spitzen Hörnern, dessen Hauptverwendungszweck die Präsenz deutschsprachiger Kabarett-Produktionen am Radio ausserhalb der Grenzen des eigenen Landes sei.

Der «Salzburger Stier» für den österreischischen Preisträger Martin Puntigam wird aus einer Unmenge von «Plastic-Sackerln» geschält. Denn sonst hätte er womöglich noch den Überreicher Josef Hader mit seinen spitzen Hörnern veletzt. Die beiden Österreicher sehen sich an, Hader fragt: «Haben wir einen tollen Schluss vorbereitet?». Und alle sind erleichtert, dass Puntigam antwortet: «Na, i glaub ned.»

Offen bleibt, ob Puntigam damit auch den Schluss der Veranstaltungsreihe im Kleintheater gemeint haben kann. Sein eigenes Programm «Innenaussaugen. Erwachsenenbildung für den Bildungsbürger und seine Frau» hinterliess insgesamt einen leeren Eindruck - innen ausgesaugt. Der gescheiterte Jungunternehmer, den er auf die Bühne stellte, wirkte - wenig kabarett-tauglich - zu tragisch-realistisch, um satirisch zu sein. Das Thema vom Auto-Menschen, in jeder Vorschau gepriesen, wurde kaum ausgelotet. Sein «berauschend erbärmliches Witzgut» (Pressetext) verpasste seine berauschende Wirkung, was allerdings auch am tropischen Klima im Kleintheater gelegen haben kann, das nicht nur dem Kritiker zu schaffen machte. So blieb denn die Satire teilweise auf der Strecke.

«Innenaussaugen» ist bereits das sechste Soloprogramm des 28-jährigen Grazers, das siebte soll im Frühjahr nächsten Jahres auf die Bühne kommen. Seinen angekündigten Auftritt als Mischung aus Mensch und Auto, löst Puntigam denn auch kurz ein, als er mit einem Satz Überbrückungskabel auf die Bühne tritt - ob ihm nicht jemand ein paar Volt hätte.

Den Rest des Programms mimt er einen ganz normalen Jungunternehmer und Erfinder. Schrecksperma ist seine Erfindung - angelehnt an Schrecktinte - einzusetzen etwa um einen Seitensprung vorzutäuschen. Trotz Freude an der Idee im männlichen Publikum ist die Erfindung nicht marktgängig. Die Abnehmerfirma verzichtet auf das Produkt und verlangt den bezahlten Vorschuss zurück. Weshalb Puntigams Figur auf 20'000 Tuben Schrecksperma in der Wohnung mal sitzen bleibt. Ausserdem wird der Inkassant zum regelmässigen Besucher. Der Jungunternehmer hat sich für eine Stelle beim Wirtschaftsministerium beworben - als Lebensmittelkarten-Designer. Infolge seiner Panne kann er einen Gesprächstermin, den er wohl nur erfunden hat, nicht halten, weshalb er sich per Funktelefon bei der Sekretärin des Sektionschefs als erfolgreichen Businessman inszeniert. Wie er jedoch erfährt, ist die Stelle längst besetzt.

Er entschliesst sich, allem Elend ein Ende zu bereiten und verübt schließlich einen Überfall - nicht auf eine Bank, sondern auf das Inkassobüro, nicht mit einer Pistole, sondern mit einem Wundspray bewaffnet. Triumphierend kehrt er mit den geraubten Schuldscheinen nach Hause zurück, gerade recht, um zu sehen, wie Frau und Tochter mit dem Inkassanten abreisen.

«Hader spielt Hader» hiess die Produktion des 1985-er Preisträgers Josef Hader. Sein Thema sind Grenzen des Anstands im Kabarett - was darf man noch sagen, ohne dass das Publikum den Saal verlässt? «Haders» Lebensgeschichte gibt genügend Anlass dazu: Gründung der Vereinigung zur Verbreitung des Ausdrucks «speibn» für kotzen, da lautmalerich geeigneter, Dialoge mit einem Scheisstrümerl in der Wiener Kloake, Gott vorwerfen, er spiele Blinde Kuh mit fünf Milliarden Menschen. Als Dreingabe spielte Hader eines seiner berühmten Un-Chansons, das immer kurz vor dem Übergang zum Ohrwurm bricht.

Hader ist einer der Grossen des österreichischen Kabaretts, nicht zuletzt wegen seiner Begabung, ohne viel Theatralik - er sitzt meist klassisch hinter dem Mikrofon auf einem Barhocker - eindrucksvolle Bilder hervorzurufen.

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© Peter Troxler, 2000