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Der
«Salzburger Stier» für den
österreischischen Preisträger Martin
Puntigam wird aus einer Unmenge von
«Plastic-Sackerln» geschält. Denn
sonst hätte er womöglich noch den
Überreicher Josef Hader mit seinen spitzen
Hörnern veletzt. Die beiden Österreicher
sehen sich an, Hader fragt: «Haben wir einen
tollen Schluss vorbereitet?». Und alle sind
erleichtert, dass Puntigam antwortet: «Na, i
glaub ned.» Offen
bleibt, ob Puntigam damit auch den Schluss der
Veranstaltungsreihe im Kleintheater gemeint haben
kann. Sein eigenes Programm «Innenaussaugen.
Erwachsenenbildung für den Bildungsbürger
und seine Frau» hinterliess insgesamt einen
leeren Eindruck - innen ausgesaugt. Der
gescheiterte Jungunternehmer, den er auf die
Bühne stellte, wirkte - wenig
kabarett-tauglich - zu tragisch-realistisch, um
satirisch zu sein. Das Thema vom Auto-Menschen, in
jeder Vorschau gepriesen, wurde kaum ausgelotet.
Sein «berauschend erbärmliches
Witzgut» (Pressetext) verpasste seine
berauschende Wirkung, was allerdings auch am
tropischen Klima im Kleintheater gelegen haben
kann, das nicht nur dem Kritiker zu schaffen
machte. So blieb denn die Satire teilweise auf der
Strecke. «Innenaussaugen»
ist bereits das sechste Soloprogramm des
28-jährigen Grazers, das siebte soll im
Frühjahr nächsten Jahres auf die
Bühne kommen. Seinen angekündigten
Auftritt als Mischung aus Mensch und Auto,
löst Puntigam denn auch kurz ein, als er mit
einem Satz Überbrückungskabel auf die
Bühne tritt - ob ihm nicht jemand ein paar
Volt hätte. Den
Rest des Programms mimt er einen ganz normalen
Jungunternehmer und Erfinder. Schrecksperma ist
seine Erfindung - angelehnt an Schrecktinte -
einzusetzen etwa um einen Seitensprung
vorzutäuschen. Trotz Freude an der Idee im
männlichen Publikum ist die Erfindung nicht
marktgängig. Die Abnehmerfirma verzichtet auf
das Produkt und verlangt den bezahlten Vorschuss
zurück. Weshalb Puntigams Figur auf 20'000
Tuben Schrecksperma in der Wohnung mal sitzen
bleibt. Ausserdem wird der Inkassant zum
regelmässigen Besucher. Der Jungunternehmer
hat sich für eine Stelle beim
Wirtschaftsministerium beworben - als
Lebensmittelkarten-Designer. Infolge seiner Panne
kann er einen Gesprächstermin, den er wohl nur
erfunden hat, nicht halten, weshalb er sich per
Funktelefon bei der Sekretärin des
Sektionschefs als erfolgreichen Businessman
inszeniert. Wie er jedoch erfährt, ist die
Stelle längst besetzt. Er
entschliesst sich, allem Elend ein Ende zu bereiten
und verübt schließlich einen
Überfall - nicht auf eine Bank, sondern auf
das Inkassobüro, nicht mit einer Pistole,
sondern mit einem Wundspray bewaffnet.
Triumphierend kehrt er mit den geraubten
Schuldscheinen nach Hause zurück, gerade
recht, um zu sehen, wie Frau und Tochter mit dem
Inkassanten abreisen. «Hader
spielt Hader» hiess die Produktion des 1985-er
Preisträgers Josef Hader. Sein Thema sind
Grenzen des Anstands im Kabarett - was darf man
noch sagen, ohne dass das Publikum den Saal
verlässt? «Haders» Lebensgeschichte
gibt genügend Anlass dazu: Gründung der
Vereinigung zur Verbreitung des Ausdrucks
«speibn» für kotzen, da lautmalerich
geeigneter, Dialoge mit einem Scheisstrümerl
in der Wiener Kloake, Gott vorwerfen, er spiele
Blinde Kuh mit fünf Milliarden Menschen. Als
Dreingabe spielte Hader eines seiner berühmten
Un-Chansons, das immer kurz vor dem Übergang
zum Ohrwurm bricht. Hader
ist einer der Grossen des österreichischen
Kabaretts, nicht zuletzt wegen seiner Begabung,
ohne viel Theatralik - er sitzt meist klassisch
hinter dem Mikrofon auf einem Barhocker -
eindrucksvolle Bilder hervorzurufen. xl Printversion |