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Das
schnelle Essen bezieht seine Exotik aus
intensivstem Kulturaustausch. Schon die
Bezeichnungen Snack und Fast Food (über deren
Differenzierung auch zu reden wäre) schaffen
eine Grundstimmung des nicht mit hiesigen Mitteln
Ausdrückbaren. Frühlingsrollen,
Taco-Shells und Pizza sind deren frugale
Materialisierungen. Gerade
die Pizza lebt vom multiplen, transatlantischen
Kulturaustausch: Als Urmutter aller
Fast-Food-Exotik wurde sie 1903 in den Staaten
enteckt - importiert aus ihrem Heimatland Italien.
Dorthin hatte die Tomate als essentieller
Grundbestandteil allerdings erst aus Amerika
exportiert werden müssen, streng nach dem
quasi alttestamentlichen Prizip: Tomaten her, Pizza
zurück. Als vorläufiges Endergebnis
dieses Tauschprozesses erhielt die alte Welt die
Systemgastronomie: halbgar gekochte Speisen werden
mindestens regional und tiefgekühlt verteilt,
um dann kurz vor dem Konsum mittels Hitze und
Mikrowellen annähernd geniessbar gemacht zu
werden. Die
Bereicherung der Fast-Food-Küche durch
asiatische Spezialitäten ist keineswegs nur
auf die amerikanische Aussenpolitik
zurückzuführen. Vielmehr werden die
fritierten Röllchen und Bällchen -
chinesisch «Dim Sum» für
Herzensfreude - ihren Weg aus den asiatischen
Metropolen in die westliche Welt wohl über die
angelsächsichen Chinatowns gefunden haben. Das
typisch chinesische Gericht «Chop Suey»
wurde gar in San Francisco erfunden, als ein
chinesicher Koch einem immer noch hungrigen Gast zu
mitternächtlicher Stunde kurzerhand einen
Eintopf vorgesetzt haben soll - aus
Küchenresten. Printversion |