www.klapt.ch - peter troxler - texte

 
Fast Food ist Kulturaustausch
26. 7. 1996

Das schnelle Essen bezieht seine Exotik aus intensivstem Kulturaustausch. Schon die Bezeichnungen Snack und Fast Food (über deren Differenzierung auch zu reden wäre) schaffen eine Grundstimmung des nicht mit hiesigen Mitteln Ausdrückbaren. Frühlingsrollen, Taco-Shells und Pizza sind deren frugale Materialisierungen.

Gerade die Pizza lebt vom multiplen, transatlantischen Kulturaustausch: Als Urmutter aller Fast-Food-Exotik wurde sie 1903 in den Staaten enteckt - importiert aus ihrem Heimatland Italien. Dorthin hatte die Tomate als essentieller Grundbestandteil allerdings erst aus Amerika exportiert werden müssen, streng nach dem quasi alttestamentlichen Prizip: Tomaten her, Pizza zurück. Als vorläufiges Endergebnis dieses Tauschprozesses erhielt die alte Welt die Systemgastronomie: halbgar gekochte Speisen werden mindestens regional und tiefgekühlt verteilt, um dann kurz vor dem Konsum mittels Hitze und Mikrowellen annähernd geniessbar gemacht zu werden.

Die Bereicherung der Fast-Food-Küche durch asiatische Spezialitäten ist keineswegs nur auf die amerikanische Aussenpolitik zurückzuführen. Vielmehr werden die fritierten Röllchen und Bällchen - chinesisch «Dim Sum» für Herzensfreude - ihren Weg aus den asiatischen Metropolen in die westliche Welt wohl über die angelsächsichen Chinatowns gefunden haben. Das typisch chinesische Gericht «Chop Suey» wurde gar in San Francisco erfunden, als ein chinesicher Koch einem immer noch hungrigen Gast zu mitternächtlicher Stunde kurzerhand einen Eintopf vorgesetzt haben soll - aus Küchenresten.

Printversion

© Peter Troxler, 2000