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Du kommst herein. Wie die
Tür hinter dir ins Schloß schwingt,
gleitet dein Blick die Stufen hinunter, nach vorn,
zur Tafel. Du stehst oben - hinten. Die andern:
drei, vier, einige sind schon da - sitzen den
Rücken zu dir. Nur das Schnallen des Schlosses
verrät dein Erscheinen. Denn dich reinkommen
sehen können sie nicht. Außer wenn einer
vor Langweile den Kopf dreht. Aber das tun sie
nicht. Sie sind beflissen, lernhungrig,
wissensdurstig. Und arbeitsam. Sie tragen in
Koffern, Taschen, Mappen die Bildung mit sich
herum. Und all das, was sie gedenken, in ihre
Köpfe rein-zutrichtern - wenn du fragst, will
es keiner gewesen sein. Du setzt dich. Hinten. Auf einen
Tisch, keinen Schultisch, einen richtigen Tisch -
beinahe richtig: stapelbar, dank klapp-baren
Beinen. Noch hat sich nichts verändert. Das
Brummsen der Stimmen ist nicht lauter geworden.
Wenn du möchtest, könntest du sie
hören, die andern, könntest du ihre
Gespräche belauschen, mitdenken, dich einer
intellektuellen Anstrengung bequemen. Doch du tust
es nicht. Du bist zu träge dazu. Gefangen von
der Trägheit des Raumes, dieses
dreidimensionalen Ungetüms, dessen Bestimmung
das Trichtern, das Eintrichtern ist, dessen
Lebenszweck die Existenz einer Lehranstalt zu
erhal-ten ist - einer hoch-eidgenössischen. Du
sitzt da, und du spürst, jetzt mußt du
schreien, fluchen, mit den Fäusten den Tisch
zertrümmern, die Tafel - weit vorn -
verschmieren mit Kreidesprüchen, obszönen
- bon mots einer andern Dimension. - Und doch
geschieht nichts, nichts,
Die Trägheit hat gesiegt;
die Trägheit, dieses unheimliche Attribut des
Saales, zwingt dich jedesmal in ihren Bann, kaum
hast du die Schwelle überschritten. Noch hast
du nichts gegessen, heute. Immer noch sitzt du auf
dem Tisch mit den klappbaren Beinen, dessen
Stapelbarkeit ihn verwandt macht mit den andern.
Stapelbar, endlos reproduzierbar, gleichsam
Inkarnation der technischen Norm. Du kämpfst deinen Kampf
allein, un-verstanden, abgesondert. Nur der Tisch -
stapelbar - ist dein Fixpunkt in dieser
Einöde: Er ist der einzige stapelbare Tisch in
diesem Raum
Du denkst, du kannst aufstehen,
hinaus, zurückgehen, von wo du gekommen bist.
Doch du hast es vergessen. Mit unsichtbaren
Fäden bist du gebunden an diesen Saal, an
diese Trägheit, gegen die anzukämpfen
vergeblich ist. Und doch tust du es. Du versuchst,
sie zu überwinden. Weißt du denn nicht,
daß das nicht geht. Du ißt dein Brot. Mit
Schinken. Und Gurken. Lustlos. Du trinkst deine
Cola. Aus der Dose. Lustlos. Und du siehst, wie
sich die andern vermehren. Einzeln, in Gruppen
kommen sie zur Tür herein. Und suchen und
finden einen Platz. Irgendwo in der Einöde,
die sich vor dir ausstreckt. Und sie gehen in sie
ein, verschwinden. Und sie bauen eine Masse, die
sich vor dir aufbaut. Du siehtst, wie sie dich
anschauen, wenn sie hereinkommen. Du siehst sie
eintauchen in die Masse, die sich aufbaut.
Aufplustert - ! Und du weißt jetzt
plötzlich: das ist die Trägheit, so sieht
die Trägheit aus. Sie hat kein Gesicht und
viele Gesichter. Sie hat keinen Mund und viele
Stimmen. Du hörst sie, du kannst zuhören,
denkst du. Aber das geht nicht. Das kann nicht
gehen, du weißt es. Und du versuchst es doch.
Aber die Trägheit hält dich gefangen. Du
bist wie eingepappt in Gelatine. Du fühlst es.
Du weißt es. Nichts hat dir dagegen geholfen,
es gibt keinen Ausweg. Du setzt dich hin, und du
beginnst zu schreiben - langsam wird dir anders:
wie du schreibst, füllt sich die Masse. Sie
wird dick und breit und groß. Und du
spürtst, wie du aufgesaugt wirst. Wehrlos,
regungslos - aufgesaugt, eingeschlürft in die
Masse. Du siehst, wie du
verschwindest.Aus-gelöscht als Individuum.
Verschwunden aus deiner Realität
Eingegangen in die Masse. Nicht mehr existent.Nur
der Tisch steht noch da - mit den klappbaren
Beinen. P. I.
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