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© Bund; 2000-11-01; Seite 23; Nummer 256

Der Bund, Wirtschaft

Der Rohstoff fürs Handeln

Wissen / Erfahrene Arbeitskollegen sind als Wissensressource nicht immer eine Fundgrube.

Peter Troxler

Die Psychologie beschäftigt sich zwar schon lange mit Wissen. Doch sie nähert sich dem Thema Wissensmanagement nur zaghaft. Gerade bei der Umsetzung von Konzepten und beim Einsatz von Technologien können aber psychologische Erkenntnisse von Nutzen sein. Wissen ist stark an Personen gebunden.

Lange versuchte Wissensmanagement lediglich, Expertenwissen bereitzustellen oder das Wissen der Mitarbeiter in Datenbanken abzuspeichern. Was dabei nicht berücksichtigt wurde, war das implizite Wissen, d. h. die Erfahrungen von Individuen. Diese können nur mit grosser Mühe in Sprache gefasst werden. Doch in der konkreten Arbeit, beim Handeln, wie die Psychologen sagen, werden sie unbewusst hervorgeholt. Erst heute erkennen viele, dass wer von Wissen redet, vom Handeln spricht, sagt Theo Wehner, Professor für Arbeitspsychologie an der ETH: «Selbst hartgesottenste Informatiker merken: Was wir sammeln, sind in Worten ausgedrückte Informationen über Handeln, über gelebtes Wissen.» Informationstechnologie und Organisation stellen «den Rohstoff bereit, der das Handeln erleichtert».

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Noch kann die Arbeitspsychologie nicht mit dem Tempo mithalten, das die Beraterszene zum Thema Wissensmanagement anschlägt. Am 42. Kongress der deutschen Gesellschaft für Psychologie, der vor kurzem in Jena abgehalten wurde, befassten sich gerade mal vierzehn von 1400 Beiträgen mit dem Thema.

Eine Untersuchung von 16 Krankenpflegekräften führen André Büssing und Britta Herbig aus München zum Schluss, dass Wissensmanagement es für die Arbeitenden möglich machen muss, implizites Wissen aufzubauen, zu überprüfen und weiterzugeben. Denn implizites Wissen wirke sich auch auf die Leistung der Arbeitenden aus. Eine Möglichkeit bestehe darin, fehlerfreundliche Umgebungen für den Erfahrungsaufbau zu schaffen. Dass der Austausch über Fehler und kritische Situationen eine grosse, praktische Bedeutung hat, zeigt Tanja Manser von der ETH anhand einer Untersuchung in der Abteilung für Anästhesiologie der Universitätsklinik Tübingen. Ziel ist es, das Risiko von Kunstfehlern zu verringern.

Nicht Wissensquelle für alle

Allerdings sind erfahrene Kollegen als Wissensressource nicht immer eine Fundgrube, stellen Petra Badke-Schaub und Joachim Stempfle von der Universität Bamberg fest. Sie befragten Konstrukteure und stellten fest, dass diese Informationen generell am häufigsten bei Kollegen erfragen. Dabei fiel jedoch auf, dass diese Art von Informationssuche viele Probleme mit sich bringt. Traditionelle Lösungen und Routinen werden bevorzugt. Nicht selten wird nur eine Lösungsmöglichkeit gesehen. Dies ist für Badke-Schaub verständlich: «Es gibt doch für erfahrene Kollegen gar keinen Grund, sich ins Zeug zu legen - sie können auch nicht für alle Mitarbeiter die Wissensquelle spielen.»

Zeitdruck und das Bestreben, die eigene Arbeit in den Griff zu bekommen, sind wohl weitere Ursachen. Badke-Schaub empfiehlt deshalb den Unternehmen, Freiräume zum Austausch zu schaffen, neuen Mitarbeitern einen erfahrenen Betreuer an die Hand zu geben, Aktualitätstreffen zu veranstalten. Dort können Personen, die an neuen Ideen arbeiten, ihre Gedanken austauschen. Dass solche Möglichkeiten in der Praxis genutzt werden, bezeichnet Badke-Schaub als Zufall. Denn von Seiten des Managements werde viel eher versucht, alles und jedes in formelle Meetings zu packen.